IBM kauft Red Hat

Das IT-Unternehmen IBM ist bereits 107 Jahre alt, aber das amerikanische Technologieunternehmen hat in seiner Geschichte noch nie so viel Geld ausgegeben, nicht ein Mal für die Investitionen in sein KI-System Watson. Für 190 Dollar pro Aktie und insgesamt gut 34 Milliarden Dollar will IBM den Linux-Spezialisten Red Hat aus North Carolina übernehmen. IBM zahlt diesen Rekordbetrag an Red Hat, um sich vor allem im Cloud-Geschäft besser zu positionieren. So ist es kein Wunder, dass es zu einem fulminanten Start mit einem fast 50-prozentigen Aufschlag auf 174,16 US-Dollar am Montagmorgen an der Börse kam. Doch zunächst einmal müssen noch die Behörden und Aktionäre zustimmen.
Es ist ein kleiner Knall für die Technologiebranche, nicht nur wegen des hohen Preises, denn es könnte auch den Wettbewerb im Cloud Computing verändern. Die Übernahme passt daher sehr gut zu der laufenden Restrukturierung, die davon begleitet wird, ältere und schwächere Unternehmensteile von IBM zu veräußern. Mit der Übernahme von Red Hats Enterprise Linux erhält IBM nicht nur ein lange bewährtes System, sondern auch eine Technologie, die sich auf die Cloud spezialisiert hat. Auf der anderen Seite kann die Übernahme aber auch noch zum Flop werden, denn dass IBM und Red Hat eine völlig unterschiedliche Unternehmenskultur und Produktstrategie pflegen, könnte für IBM zum Problem werden. Denn bisher wurden die erworbenen Unternehmen und Produkte an die bei IBM intern verwendeten Prozesse angepasst, womit die Eigenheiten der aufgekauften Unternehmen verloren gingen und damit auch ein Teil der Innovationskraft. Auf der anderen Seite scheinen sich die Beteiligten darüber im Klaren zu sein, denn Red Hat soll weiterhin als unabhängige Einheit bestehen bleiben.

Obwohl sich die offene Softwareentwickler-Szene oft gegen Übernahmen durch Großunternehmen wehrt, glaubt beispielsweise Rafael Laguna, einer der wichtigsten Fürsprecher von Open Source, dass IBM eine Chance gegeben werden sollte. Mit dem Kauf von Red Hat bringt es auch eine neue Kultur und einen neuen Geschäftsansatz ins Haus. Der Kauf von Red Hat könnte ein Wendepunkt in der Geschichte von IBM sein. IBM CEO Ginni Rometty nannte die Übernahme eine Evolution und eine logische Weiterentwicklung der langjährigen Beziehung. „Die Übernahme ist bahnbrechend, um alles im Cloud-Geschäft zu verändern“, so Rometty. Die Unabhängigkeit und Neutralität des Open-Source-Anbieters sowie das aktuelle Produktportfolio, die Marketingstrategie und die Entwicklungskultur sollen erhalten bleiben. Die Übernahme, die von den Verwaltungsräten von IBM und Red Hat genehmigt wurde, wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 abgeschlossen sein.

Red Hat, gegründet 1993, bietet seit 1994 seine Version des offenen Betriebssystems Linux an. Das Unternehmen erweitert das Open-Source-Betriebssystem um weitere Software und bietet seinen Kunden neben dem abonnementbasierten Paket auch Dienstleistungen an. Im vergangenen Quartal steigerte Red Hat den Umsatz um fast 14 Prozent, wobei der Großteil aus dem Abonnementgeschäft kam.

Von |2018-11-02T19:20:12+00:00November 2nd, 2018|Allgemein|0 Kommentare

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